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Jean Grae – Attack Of The Attacking Things (The Dirty Mixes)

Ihre Texte seien zu persönlich und damit nicht massenkompatibel – dieses vernichtende Urteil fällten Menschen in karrieretechnisch entscheidenden Positionen über die Lyrik der Jean Grae. Doch diese warf die Flinte nicht ins Korn und schlägt jetzt zurück. Zwölf Hiebe mit viel Tiefgang, allen Widrigkeiten zum Trotz. Mit Third Earth Music konnte dann auch ein Label gefunden werden, das einer Künstlerin wie Jean Grae die so dringend benötigten Freiheiten widerspruchslos einräumt – “Attack Of The Attacking Things (The Dirty Mixes)” ist mehr als ein konventionelles Hip Hop-Album voll standardisierter Monologe, es ist eine Expedition in die (Gedanken-)Welt der Jean Grae.

In ewig langgezogenen Lines von fast schon beschwörender Monotonie werden mit erstaunlicher Selbstsicherheit Themen erörtert, an die so mancher Kollege sich gar nicht erst herantrauen würde. So verbirgt sich etwa hinter dem durchaus fadenscheinig betitelten “Block Party” ein intelligent konzpipierter Song der – ausgehend von der misslichen Lage der Hip Hop-Kultur über die noch weitaus misslichere Lage der schwarzen Community – den weiten Bogen bis hin zu weltpolitischen Versäumnissen der USA schlägt (“missionaries create foreign schools and change the native way & thinkin / so in ten years, we can have a foreign Columbine / in some small village in the Amazon”). Dabei erhebt die aus dem Umfeld der Boorklyn Academy bekannte Rapperin gar nicht den Anspruch, auf politischer Ebene wahrgenommen zu werden – der Fokus liegt ganz klar auf den persönlichen Kämpfen des Alltags. So kann in Tracks wie “Fade Out” und “Life 4 U” eine Intimität aufgebaut werden, die es nicht nötig hat, billig voyeuristische Gelüste zu befriedigen und wohl gerade deshalb so lange nachhallt. Einzig das vom hauptverantwortlichen Beatschrauber Nasain Nahmeen nicht eben ruhmreich produzierte “Thank Ya” lässt es etwas schleifen, kann aber glücklicherweise durch die große Hitdichte diskret unter den Teppich gekehrt werden.

Während Jean sich in Sachen Rhyming & Rapping völlig zurecht von niemandem reinreden lässt, konnte sie sich in Sachen Beats nämlich auf die geschickten Hände von prominenten Betmachern wie Masta Ace, Mr. Len, Evil Dee und auch Block McCloud verlassen, die – auch ohne den GANZ großen Smashhit zu landen – absolut nichts anbrennen lassen. “Attack Of The Attacking Things” ist in jeder Hinsicht ein Album, in das viel Arbeit, Zeit und Kreativität investiert wurde. Es gibt wenige Frauen am Mikrophon und noch viel weniger die etwas Sinnvolles damit anstellen. Ausnahmen bestätigen die Regel – hier habt ihr eine. Das letzte Wort gebührt dem momentan besten Femcee selbst: “it’s crazy how I’m still catchin with no major distribution / slice through like guillotines, I’m precise with a execution [...] see, the barrel was facin’ me / now I turn the gun around and it’s got unlimited ammunition…”

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