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Tha Blue Herb – Life Story

CD rein, “Play”… Windböen wehen mir aus den Boxen entgegen, dann plötzlich donnert der Beat herein, begleitet von sphärischen Synthies. Langsam beginnt eine wohlbekannte Stimme im halb-geflüsterten Ton die ersten Lines zu kicken, nur um nach ein paar Reimen auf einmal wieder mit vollem Volumen den Rest von “The Alert” einzurappen… Tha Blue Herb sind zurück, danke für die Warnung!

Fünf Jahre und etliche Nebenprojekte ist es bereits her, dass die Crew aus Sapporo, Japan, ihr zweites Album “Sell Our Soul” veröffentlicht hat und inzwischen dürfte kein Zweifel mehr an ihrem Platz im Hiphop-Olymp bestehen, und dennoch – sie sind immer noch so verdammt hungrig! Sich auf vergangenen Erfolgen auszuruhen oder weiterhin an bereits erprobten Erfolgsrezepten zu verharren scheint diesen dreien (Produzent O.N.O und Rapper Boss werden seit einiger Zeit von DJ Dye begleitet) ein Fremdwort zu sein. Haben es die Songs auf den letzten Nebenprojekten bereits angedeutet, so ist es mit “Life Story” nun klar: TBH sind weg vom rein-abstrakten Sound des Vorgängeralbums und widmen sich nun verstärkt einem “straighteren” Sound. Soll heißen: es dominieren nicht mehr vertrackte Drumstrukturen und verzerrte Samples, statdessen stehen direkte, kraftvolle Beats mit Synthie-Untermalung im Vordergrund.

Die größte Entwicklung hat aber Boss hinter sich, welcher auf diesem Album so punktgenau und perfekt betont rappt, wie noch nie zuvor. Mal bringt er seine Zeilen in einem fast schon beschwörenden Tonfall zum besten (“The Suburbs Of Hip Hop”), mal mit voller Kraft (“Run 2 You”), mal steigert er den Tonfall überhaupt von Anfang an langsam immer mehr bis zum Ende (“Supa Stupid”) und mal klingt er einfach nur vollkommen schmerzerfüllt (“Mainline”). Auf der textlichen Seite hagelt es natürlich wieder lyrische Karateschläge gegen die Rapper, die ihre Seele verkaufen und die kommerzialisierte Spaßgesellschaft Japans (“Left-field HipHop / that’s what we’ve always been told / Dirty HipHop scattered on the streets / only for the bitches to dance to / think again, which do you really think is more bizarre? [...] Combining Japanese and “Katakana” English / knock off those americanized kiddies / And silence their wannabe american yellow asses / this is the way of the japanese original HipHop”), aber wie immer reflektiert Boss hauptsächlich ernsthaft über das Leben, zwischenmenschliche Beziehungen, die Welt. Bestes Beispiel dafür ist “Tenderly”: gute drei Minuten läuft erstmal O.N.O’s stimmiger Beat, dann erst setzt Boss ein und beschreibt seine Sicht der Dinge auf diesem Planeten, auf ganz allgemeine Weise und ohne unnötiges Predigen, wie so manche US-Rapper es gerne tun, wenn sie ihr “Wisdom” vortragen.

Doch auf diesem Album Highlights zu nennen wäre wie Salzkörner aus einem Salzstreuer zu picken, jedes Stück ist unverschämt gut auf seine Weise; “Life Story” als Ganzes ist wieder einmal ein Manifest aus dem Hause Tha Blue Herb Recordings und ein herrliches Beispiel dafür, wie erwachsen HipHop sein kann.

“From the window of the space shuttle / as you can see / the earth is neither too small / nor too big / because / it has been there from the beginning / as one might say, it is one, a whole // it’s when people start diving it / unfortunately / that it becomes too small for some / too big for others”
(aus: “Tenderly”)

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