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Wu-Tang Clan – A Better Tomorrow

 

Vor 21 Jahren hat der Wu-Tang Clan einen lautstarken Ruf in die ganze Welt geschickt. Dessen verhallendes Echo kommt jetzt zurück – doch in der Zwischenzeit ist man nun endgültig alt geworden. Eine Erkenntnis, die für Kritiker wie Puristen gleichermaßen nicht wirklich neu ist, denn eigentlich ist der einst so große, stolze Clan schon lange nicht mehr als Kollektiv so ganz auf der Höhe. Auch mit “A Better Tomorrow”, ihrem ersten gemeinsamen Album seit dem 2007er “8 Diagrams”, werden vermutlich mehr Fans verloren als hinzugewonnen. Das Kapitel “Clan” sollte im Interesse aller endgültig geschlossen werden. Bleibt immer noch “Wu-Tang”.

Dabei ist es prinzipiell immer ein Ereignis, dass sich die Clansmen überhaupt zu einem weiteren Zusammenschluss gefunden haben und RZA, GZA und Co. überhaupt in einer Booth zu haben ist Grund genug für mindestens ein ausführliches Reinhören. Doch 7 Jahre sind so wenig Zeit nun nicht und so klingt manch einer doch ein wenig zahmer als je zuvor. Besonders fällt das bei Inspectah Deck auf, der sonst immer mit messerscharfer Delivery zu überzeugen wusste, aber hier auf Albumlänge eher langweilt und gleich im Opener “Ruckus In B Minor” mit “innovativem” Film- und Seriennamendropping vorstellig wird. Kein guter Anfang, wenn sich einer der besten und vor allem unterschätztesten MCs seiner Generation damit behelfen muss. Und rappt eigentlich RZA? Auch nach mehrfachem Hören bleiben eher uninspiriert gebrüllte Hooks oder leise vor sich her genuschelte “Raps” in negativer Weise haften. Alle anderen sind mit ihren markanten Organen präsent, aber in der Gesamtschau wird man den Eindruck nicht los, dass sich eine gewisse altersweise Zurückhaltung breitgemacht hat, was zumindest im Falle von GZA ein Volltreffer ist. Und dann wäre da noch: “Je m’apelle Rebel, capiche, comprende?”

Musikalisch offenbart ein Blick ins Booklet eine rege Beteiligung von Adrian Younge. Der Komponist und Produzent hat in jüngerer Vergangenheit auch schon Ghostfaces “Twelve Reasons to Die” mit stimmiger Live-Instrumentierung auf die Sprünge geholfen und dürfte auch hier dafür verantwortlich gewesen sein, den bei “8 Diagrams” eingeschlagenen und durch Seitenprojekte wie bspw. “Chamber Music” intensivierten Weg weiter zu untermauern. Doch was bei dem einen Projekt hervorragend funktioniert, muss nicht zwangsläufig auch anderswo fruchten: Die Beats und Arrangements haben insgesamt einen noch deutlich stärkeren Live-Einschlag als beim direkten Vorgänger erhalten, doch damit ging einfach noch mehr Punch verloren. Als Gegenbeispiel können erneut die Seitenprojekte “Chamber Music” und “Legendary Weapons” genannt werden, bei denen die Revelations eine ungleich tightere Musikunterlage serviert haben, die wunderbar an den Lo-Fi-Sound vergangener Tage gemahnte. Auch RZAs typische Ästhetik halbfertiger, shaolinesker Melodieschnipsel klingt zwar an, kann aber auch nicht mehr dieselbe Wirkung entfalten, zu wenig düster und hart sind die Produktionen der meisten Tracks, als dass die wenigen Ausnahmen noch was reißen könnten. Er bleibt lieber seiner filmmusikartigen Richtung treu und versucht sich lieber bei “Necklace” an einer äußerst stimmigen Klangcollage und langweilt aber damit erheblich. In manchen Momenten mutet damit “A Better Tomorrow” wie ein Soundtrack ohne dazugehörigen Film an. Weitere “Highlights”: “40th Street Black/We Will Fight” ist als Uptempo-Nummer das “Gravel Pit” des Albums und sowohl die Hook als auch die vollkommen unmotivierten Synthies bei “Hold The Heater” laden zum Kopfkratzen ein. Überhaupt die Hooks: Auch bei “Crushed Egos” oder “Never Let Go” werden sie entweder durch RZAs Gebrülle oder durch schrägen Gesang verunstaltet und zeugen nicht gerade von investierter Hingabe für das Projekt. Und ob man mit “Preacher’s Daughter” überhaupt eine Neuauflage von “Son Of A Preacher Man” gebraucht hat, sei mal dahingestellt.

Es ist aber keinesfalls alles Scheiße was stinkt. “Miracle” zeigt auf, was für ein dramaturgisches Potenzial in der filmisch anmutenden Live-Instrumentierung schlummert. Ein zuckersüßes Duett als Hook eröffnet über unschuldig spielendem Piano den Track und etabliert eine geradezu märchenhafte Atmosphäre. Umso härter wirkt dann der plötzliche Einsatz der Drums, die begleitet werden von unheilvoll brodelnden Streichern, die sich jedoch mit dem einsamen Klang einer traurigen Flöte abwechseln und die zusammengenommen die entgegengesetzten Kräfte des Songs und ihren unausweichlichen Kollisionskurs stimmig vereinen. Über die verschiedenen Strophen hinweg verändert sich das Arrangement immer mehr, wird bedrohlicher und wenn am Ende auch sägende Synthies Einzug halten und die Hook energisch wie verzerrt gesungen wird, dann ist der Höhepunkt perfekt. Großes Kino (und bezeichnenderweise produziert von 4th Disciple, einem von RZAs ewigen Schützlingen). Und auch der Titeltrack ist eine soul-infizierte Schönheit. Hier, wo sich in der Produktion der Optimismus Bahn bricht, passt auch der entspannte Vortrag von allen punktgenau.

Die wenigen positiven Ausreißer können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass “A Better Tomorrow” eine herbe Enttäuschung darstellt. Ein Wu-Tang Clan Album, bei dem dann auch die pflichtschuldig eingebauten Samples aus Kung-Fu-Filmen wie groteske Fremdkörper wirken, ist einfach zum Scheitern verurteilt. Keine Kohärenz und scheinbar auch kein Bock, zumindest auf Platte unter gemeinsamen Namen scheint der “Clan” tot zu sein. Bleibt immer noch “Wu-Tang”. “Forever”.

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